Karate-Do

Karate steht in der jahrtausendealten Tradition der fernöstlichen ganzheitlichen Lebensweise und verfolgt damit nicht nur das äußere Ziel des Aufbaus und der Aufrechterhaltung der Kampffähigkeit, sondern auch das Ziel der inneren Reifung und "Ganzwerdung" des Menschen.

 

Im Zentrum der Bemühungen steht der Begriff "Do". Für den japanischen Begriff "Do", chinesisch "Tao", gibt es kein gleichwertiges Wort in der deutschen Sprache. Am ehesten kann man es vielleicht noch mit "Weg" im Sinne von Lebensweg oder Lebensprinzip übersetzen. Wer dem Do "folgt", bemüht sich um die richtige Geisteshaltung und die Umsetzung im täglichen Leben. Wie dieses Bemühen aussehen kann, darüber wurden schon viele Bücher geschrieben, so dass dieses nicht in wenigen Sätzen besprochen werden kann.

 

Als Anhaltspunkt für das, was Do - oder für den Karateka eben Karate-Do - bedeutet, kann man aber zum Beispiel einige Leitsätze von erfahrenen Kampfkunst-Meistern heranziehen, die durch ihr Leben und Wirken ein lebendiges Beispiel für das Praktizieren des (Karate-) Do gegeben haben.

Im folgenden sind einige Zitate aufgeführt:

 

 

Dojo-kun (Dojoregeln der JKA):

Eins ist: Vervollkommene deinen Charakter!

Eins ist: Bewahre den Weg der Aufrichtigkeit!

Eins ist: Entfalte den Geist der Bemühung!

Eins ist: Sei höflich!

Eins ist: Bewahre dich vor übertriebener Leidenschaft!

 

 

Die sieben Grundsätze des Bushido

("Weg des Kriegers", Kodex der Samurai)

Yu - "Tapferkeit"

Rei - "Die Etikette (das korrekte zwischenmenschliche Verhalten)"

Jin - "Die Liebe zu den Menschen"

Makoto - "Vollkommene Aufrichtigkeit"

Meiyo - "Ehre und Ruhm"

Chugi - "Loyalität und Opferbereitschaft"

Gi - "Die rechte Entscheidung aus der Ruhe des Geistes"

 

 

Funakoshi: 11. seiner 20 Karate-Regeln "Shoto nijukkun"

"Karate ist wie heißes Wasser, das schnell abkühlt, wenn man es nicht ständig erwärmt."

 

 

Funakoshi:

"So, wie die blanke Oberfläche eines Spiegels alles wiedergibt, was vor ihm steht, und wie ein stilles Tal selbst den schwächsten Laut weiterträgt, so soll der Karateka sein Inneres leermachen von Selbstsucht und Bosheit, um in allem, was ihm begegnen könnte,
angemessen zu handeln. Das ist mit KARA oder "Leer" im Karate gemeint."



 

Aus dem Chinesischen:

Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.



 

Eine wichtige historische Figur im Zusammenhang mit dem Begriff "Do" bzw. "Tao" war der chinesische Weise Laotse. Hier einige Auszüge aus seinem klassischen Werk "Tao te king" ("Kanon vom Weg und seiner Tugend"):

 

laotse"Ein guter Kämpfer ist nicht gewalttätig.
Ein guter Feldherr ist nicht zornig.
Ein guter Eroberer kämpft nicht um Kleinigkeiten.

Nichts Nachgiebigeres in der Welt als Wasser,
dennoch zwingt es das Härteste.
Groß im Aufgeben, ist es groß im Erreichen.
Nicht greifbar, ergreift es.
Das Nicht-Sichtbare überwindet das Sichtbare.
Unstarr übernimmt Starr.
Jeder weiß es, keiner erweist es.
Wer erträgt, wird getragen.
Wer sich aufgibt, behauptet sich.
Wundervolles klingt wunderlich.

Wer andere erkennt, ist gelehrt.
Wer sich selbst erkennt, ist weise.
Wer andere besiegt, hat Kraft.
Wer sich selbst besiegt, ist stark.
Wer zufrieden ist, ist reich.
Wer seine Mitte nicht verliert, der dauert."