Gichin Funakoshi (1868 - 1957)

Funakoshi übersetzte erstmals das japanische Wort "Kara" mit dem Homonym der Bedeutung "leer". Die Wahl des Wortes "leer" weist auf einen grundlegenden Aspekt des Karate hin, den Kampf ohne Waffen.


Funakoshi entwickelte aus dem Karate seine eigene Stilrichtung heraus, den Shotokan-Stil. Hierbei bedeutet "shoto" - "Rauschen der Kiefern" und "kan" - "Haus des". Dieser Name kam zustande, weil Funakoshi gerne in den Wäldern Okinawas spazieren ging. Der Shotokan-Stil erfreut sich bis heute einer weltweiten Beliebtheit.


Es gibt jedoch noch unzählige weitere Stilrichtungen, die von verschiedenen Persönlichkeiten geprägt wurden und sich unter anderem durch ihre unterschiedlichen Ziele etwas voneinander abgrenzen. Für Gichin Funakoshi gab es aber immer nur ein Karate, er unterteilte es nicht in verschiedene Stile, ebenso verachtete er es Karate für Wettkämpfe zu betreiben. Während bei anderen Richtungen, wie zum Beispiel dem Gojo Ryu Stil großen Wert auf die richtige Atemtechnik zur Entwicklung von Stabilität und Kraft gelegt wird, spielt im Shotokan-Stil die Geistes-und Körperkontrolle die entscheidende Rolle.


Hierzu wurden von Meister Gichin Funakoshi "20 Regeln" verfasst, um die spirituelle und mentale Entwicklung seiner Schüler zu fördern. Zudem lassen sie sich nicht nur auf das Ausüben der Techniken, sondern auch auf das gesamte Leben anwenden.

 

Die 20 Regeln von Gichin Funakoshi:

 

1.   Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.

2.   Im Karate gibt es keinen Angriff.

3.   Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.

4.   Erkenne zuerst dich selbst, dann den anderen.

5.   Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.

6.   Lerne deinen Geist zu kontrollieren und befreie ihn.

7.   Unglück geschieht immer durch Unachtsamkeit.

8.   Denke nicht, dass Karate nur im Dojo stattfindet.

9.   Karate üben heißt, ein Leben lang arbeiten. Darin gibt es keine Grenzen.

10. Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst du geistige Reife erlangen.

11. Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm hältst.

12. Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert.

13. Wandle dich abhänig vom Gegner.

14. Der Kampf hängt von der Handhabung des Treffens und des Nicht-Treffens ab.

15. Stelle dir deine Hand und deinen Fuss las Schwert vor.

16. Wenn man das Tor zur Jugend verlässt, hat man viele Gegner.

17. Die Haltung des Anfängers muss frei sein von eigenen Urteilen, damit er später ein natürliches Verständnis gewinnt.

18. Die Kata darf nicht verändert werden, im Kampf jedoch gilt das Gegenteil.

19. Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.

20. Denke immer nach, und versuche dich ständig an Neuem.