Geschichte der Karate-Kunst

Bodhidharma

Verschiedene Systeme des bewaffneten und unbewaffneten Kampfes haben eine lange Tradition im Fernen Osten. Die Wurzeln dieser Kampfkünste verlieren sich in der Geschichte. Einige Vorläufer der Kampfübungen stammen aus Indien, aus dem sie zusammen mit der Lehre des Buddhismus ab 300 v.Chr. nach China exportiert wurden. Andere Kampfkünste stammen direkt aus China und Tibet und entwickelten sich dort im Zusammenhang mit den philosophischen Strömungen das Taoismus, des Konfuzianismus und des Zen-Buddhismus. 

Es gilt historisch als gesichert, dass im 6. Jh.n.Chr. ein indischer Mönch namens Bodhidharma in das chinesische Shaolin-Kloster gelangte und dort den Zen-Buddhismus und die Kampfkunst lehrte.

 

Die Kampfübungen "18 Hände des Buddha" und die 8 Brokat-Übungen des Qi-Gong werden ihm zugeschrieben. Vom Shaolin-Kloster gingen seitdem immer wieder starke Impulse für die Weiterentwicklung und Verbreitung der Kampfkünste aus.

 

Nachdem in der Geschichte mehrere Male versucht wurde, das Kloster zu vernichten, wurde es 1928 in den Wirren des chinesischen Bürgerkrieges vollständig zerstört.

Von China aus gelangten die Kampfkünste seit ca. 800 n.Chr. auch nach Japan, wieder im Gefolge der Verbreitung des Zen-Buddhismus. In Japan wurden die Kampfkünste verfeinert und fester Bestandteil des ritterlichen Kriegerhandwerks. Als nach dem "Zeitalter der kämpfenden Länder" im Jahre 1603 eine lange Phase des Friedens in Japan anbrach, wandelte sich auch das Studium der Kriegskünste für die große Zahl der japanische Ritter. An die Stelle der an der Praxis orientierten Waffenschulung trat das Streben nach Perfektion der Formen. So entwickelten sich unter anderem die bekannten japanischen Waffenübungen Kendo und Iaido.

Okinawa ist Hauptinsel und Zentrum der aus über 130 Inseln bestehenden Ryukyu-Inselgruppe zwischen China und Japan im Chinesischen Meer. Okinawa wurde seit jeher sowohl von China als auch von Japan her kulturell, wirtschaftlich und politisch beeinflusst.

 

Das Zusammentreffen mehrere Umstände, vor allem ein Verbot des Tragens von Waffen, das mehrmals gegenüber den Einwohnern Okinawas ausgesprochen wurde, begünstigten seit dem 17. Jh. n.Chr. die Entwicklung einer effektiven Kampfkunst, die im Zweifelsfall auch ohne Waffen auskam.

 

Diese Kampfkunst, in verschiedenen Epochen To-De, Tang-Te, Okinawa-Te und später Kara-te genannt, orientierte sich vor allem an chinesischen Kampftraditionen. Die Kampfkunst wurde im Geheimen trainiert, das wichtigste Merkmal war die Übung der Kata.

 

In den drei benachbarten Orten Shuri, Naha und Tomari wurde die Entwicklung dieser Kampfkunst mit unterschiedlichen Schwerpunkten vorangetrieben. Die Stilrichtungen aus Shuri und Tomari wurden gegen Ende des 19. Jh. zum "Shorin-Ryu" zusammengefaßt, die Stilrichtung aus Naha wurde als Shorei-Ryu bezeichnet.

Funakoshi Gichin

Aus dem Shorin-Ryu entwickelten sich später schwerpunktmäßig die Karate-Stilrichtungen Shotokan und Wado-Ryu, das Shorei-Ryu bildete die Grundlage für die Karate-Stilrichtung Goju-Ryu.

 

Der okinawanische Shorin-Ryu-Meister Gichin Funakoshi (1868 - 1957) kam im Jahre 1922 auf Einladung des japanischen Kronprinzen nach Japan, und stellte die Übungen "seiner" Kampfkunst vor.

 

Funakoshi blieb, entgegen seinen ursprünglichen Absichten, in Japan und machte dort die Karate-Kunst einer breiten Bevölkerungsgruppe bekannt. Seit 1936 wird die von ihm verbreitete Stilrichtung als Shotokan bezeichnet.

 

Im Jahre 1955 wurde die "Japan Karate Association" (JKA) gegründet und Karate in der ganzen Welt verbreitet.